Hier liegt liegt das wahre Sylt in der Luft. Zu sehen direkt hinter dem Ortseingangsschild von Morsum. Eine nette Idee des kleinen Dorfes, das ebenfalls immer weiter wächst.

Sylt, so wie es die Liebhaber der Inseln genießen. Wind, Wellen, Sand und die Sonne scheint.


Sylt – heute leider mehr Schein als Sein

Im Kalender war der Name von Deutschlands beliebtester Insel immer dick unterstrichen. Und je schneller die Blätter der Kalendertage fielen und die Fahrt gen Norden näher rückte, desto größer die (Vor)Freude. Fast über drei Jahrzehnte hinweg war die Fahrt über den Hindenburgdamm alljährlich verbunden mit Sehnsucht nach Sonne, Luft, Wasser, Salz auf der Haut und viele Stunden Entspannung. 

Ja, Sylt war ,,unsere Insel‘‘ – wie für viele andere auch. Für den Boulevard war Sylt vielleicht die Insel der Reichen. Sylt gehörte jedoch uns allen, egal ob jung, alt, arm oder reich. Sylt war Wohlfühlfaktor, Sylt war für viele auch ,,Hier bin ich zu Hause‘‘.

 

War? Gehörte?

 

Ja, zumindest für uns, die Anfang der 2000iger einen Schlusstrich zogen, weil uns die Entwicklungen auf der Insel nicht mehr gefielen. Dreizehn Jahre später kehrten wir wieder zurück, um nach einer Woche schnell wieder die Kurve zu kratzen. Keine Besserung in Sicht!

Im Gegenteil!

 

Nur Negatives nichts Positives?

 

Natürlich hat Sylt nach wie vor viel Gutes zu bieten.

Die Gezeiten sind noch da, das Wetter spielt ebenfalls noch immer verrückt und wechselt von herrlichem Sonnenschein schnell zu dunklen Wolken und heftigem Regen. Nicht zu vergessen, die gute, saubere Sylter Luft. 

 

Also doch alles noch bestens?

 

Mitnichten! 

 

Die Preisspirale dreht sich immer höher, mehr und mehr Einheimische verlassen die Insel, Mieten sind unbezahlbar geworden, viel zu viele Menschen besuchen Sylt inzwischen fast ganzjährig und lassen auch in Deutschlands hohem Norden den immer intensiver um sich greifenden Overtourismus spürbar werden.

 

Was zählt sind nicht mehr Luft und Wasser. Nein , ,,Heute schon gegoscht?‘‘ ist für viele die wichtigste Frage geworden. Man sieht sich, will gesehen werden und postet sich in die moderne mediale Welt hinaus. Gerne vor modern gestalteten Fischbuden.

 

Die Qualität ist hier zweitrangig. Hauptsache der Weißwein ist kalt. Und nach drei, vier Gläsern, schmeckt auch der durchgebratene frische Fang aus dem Meer.  Die Zeiten wo er glasig serviert wurde, sind vorbei. Der Massentourismus fordert seinen Tribut. 

 

Quantität schlägt Qualität. Masse besiegt Klasse.

 

Darüber können auch kleinere, redlich bemühte Köche in Restaurants am Rande der Meile(n) nicht hinwegtäuschen. Und bei Blum’s, den vor Jahren zumindest die Sylter noch dem ,,zugereisten Gosch‘‘ vorgezogen haben, trifft man kaum noch Einheimische. Viele von Ihnen haben die Flucht ergriffen, ihr Heim für gutes Geld verkauft, um es sich nunmehr auf dem Festland gut gehen zu lassen.

 

Sylt ist nicht mehr ,,unsere Insel‘‘. Sylt, so mein - natürlich - subjektiver Blick, ist nur noch mehr Schein als Sein. 

 

Unbezahlbare Mieten für Menschen, die dort arbeiten, Einheimische, die sich nicht mehr wohlfühlen, noch mehr Kommerz, noch mehr hochpreisige SUV, gefahren von Menschen, die Sylts Straßen für Hochgeschwindigkeitskurse halten. Der Overtourismus hat Deutschlands nördlichste Insel erreicht. Spürbar auch beim Blick auf die Preistafeln, egal wo sie stehen.

 

Sicher hat Sylt auch noch schöne Ecken, Nischen, die nur wenige kennen. Dort kann man sich noch wohl fühlen. Und das sollen auch alle, die es nach Sylt zieht. Aber für uns ist das Gesamtpaket entscheidend. Und das ist leider nicht mehr stimmig. 

 

Für die Einheimischen und alle, die auf Sylt arbeiten wünschen wir uns mehr Wohlfühlfaktor. Mehr bezahlbaren Wohnraum, kostengünstige, pünktliche und kurze Fahrten von der Insel und zurück, Lebenshaltungskosten, die ein vernünftiges Leben auch auf der Insel ermöglichen.

Nur mit dem Wissen, dass es denen, die für unser Wohlergehen im Urlaub sorgen auch gut geht, sollte (darf)  es sich gut urlauben lassen. Den meisten ist der Blick hinter die Kulissen leider jedoch egal.

 

Eine Kehrtwende zu schaffen, wird schwer. Denn seien wir ehrlich, der Blick in andere Urlaubsregionen oder zu den beliebten und bekannten Hotspots zeigt kaum andere Bilder.

Ob es deshalb für uns noch einmal eine Fahrt über den Hindenburgdamm geben wird, daran zu glauben fällt mir derzeit schwer.

 

Für alle, die diesem Schickimicki des ,,neuen Sylt'' entfliehen (wollen)...es gibt sie doch noch, die schönen ruhigen, einsamen Ecken von Sylt. Davon sollen viele der nachfolgend abgedruckten Bilder zeugen.

 

Ihnen, die leider inzwischen eine Minderheit bilden, wünsche ich schöne erholsame Tage auf IHREM Sylt, auch wenn es nicht mehr ,,Mein Sylt'' ist...


Eindrücke einer Kleinen Rundfahrt über die Insel im Bild