Hamburg - meine Perle -  unsere Elphi


Hamburgs neues Wahrzeichen: Die Elbphilharmonie (,,Elphi'') am Ende der Hafencity

Auf diese Momente wartet jeder Fotograf: der große Saal auf einen Blick und menschenleer.

Abfotografiert aus dem neuen Jahresprogramm: die ,,Elphi'' im Querschnitt.


Bühne für die besten Musiker der Welt


Für die Hamburger ist die im Januar eröffnete Elbphilharmonie schon jetzt das neue Wahrzeichen der Hansestadt. Der Michel läßt schön grüßen. Aber das von vielen auch gläserne Welle genannte Konzerthaus, das mit seiner Lage über dem historischen Backsteinspeicher schon ein echter Hingucker ist, hat die Spitze der Hamburger Sehenswürdigkeiten zu recht erklommen. Nicht nur der Optik wegen. Nein, es sind auch die vielen kleinen Anekdoten, die sich erzählen lassen und mit denen Historiker bei den Führungen (aktuell für fast vier Monate ausgebucht) gerne aufwarten.

 

Die schönste ist auch eine sportliche, hat sie doch mit dem Hamburger SV zu tun. Die ersten Fundamente wurden 2007 gelegt, da war noch Hub Stevens, der knurrige Holländer, Coach beim Dino der Bundesliga. In der Folgezeit mussten mal mehr, mal weniger lange, mit Martin Jol, Bruno Labbadia, Ricardo Moniz, Armin Veh, Michael Oenning, Rudolf Cardoso, Frank Arnessen, Thorsten Fink,erneut Rudolf Cardoso, Bert van Marwijk, Mirko Slomka, Josef Zinnbauer, Peter Knebel, erneut Bruno Labbadia  gleich 14 Trainer herhalten, bevor der aktuelle, Markus Gisdol, die Fertigstellung erleben durften.  

 

Im Januar wurde sie endlich offiziell eröffnet, ist jetzt die neue Heimat für Hamburgs Orchester und lockt schon in ihrer ersten Spielzeit die besten Musiker der Welt in diese wunderbare Stadt.

 

Die Elbphilharmonie hat nicht weniger Facetten als ihre glitzernde Fassade und ist allemal ein Besuch werte. Sei es bei einem Gang auf die Plaza, welche den Backsteinbau abschließt und auf deren Außenbahnen ein Rundgang möglich ist, während einer Führung oder aber - sicherlich ein Höhepunkt - im Rahmen einer Veranstaltung. Neben Einzeltickets werden hier unterschiedliche Abonnements angeboten und wer gut aufgepasst und sich rechtzeitig gemeldet hat, konnte eines dieser mehr als begehrten Mehrfachtickets erlangen und hat hiermit gleichzeitig quasi eine lebenslange Option auf die gebuchten Plätze dazu gekauft.


Annäherung an die Elphi von der Landseite



Auf bestem Weg zu einem Jahrhundertbauwerk


Wer kennt sie nicht, die Tate Modern in London, das Olympiastadion in Peking, auch Vogelnest genannt und jetzt die Elbphilharmonie. Schon der erste Entwurf 2003 begeisterte. Und nun steht sie an der Spitze des Kaiserkais und ist schon jetzt ein Jahrhundertbauwerk, schafft sie doch einen Ort voller Erlebnisse. Hierzu nur zwei Zitat großer Zeitungen:

Die Neue Zürcher Zeitung: ,, Bei der Elbphilharmonie handelt es sich um den ersten überragenden Bau des neuen Jahrtausends''.

Süddeutsche Zeitung: ,,Es gibt nur ein einziges Bauwerk auf der Erde, das in seiner stadträumlichen Präsenz mit der Elbphilharmonie verglichen werden kann: die Oper von Sidney.''

Jacques Herzog und Pierre de Neuron, die auch für die Tate und das Stadion in Peking die Blaupause erstellten, schaffen eigenwillige Gebäude, Gebäude vor denen noch in vielen Hundert Jahren die Menschen staunend stehen werden.  Und auch für ihr neues Werk wurden keine Kosten und Mühen gescheut. Statt rund 80 Millionen wurden am Ende 780 Millionen ausgegeben. Stopp!  Auch die Oper in Sidney war am Ende zehnfach teurer als ursprünglich geplant.

Und wer an der Elbphilharmonie nach dem Blick von draußen zu den Innenansichten übergeht, merkt schnell, warum dieses Musikhaus so viel teurer wurde.

Die erste geschwungene Rolltreppe weltweit, mundgeblasene Lampen, in Einzelstücken produzierte Glasflächen, besonderes, der Akustik geschuldetes Material an den Wänden, Stück für Stück Unikate, welche die Bauarbeiter bei der Zusammensetzung oftmals zur Verzweiflung getrieben haben. Edles Holz - leider nach einigen Konzerten schon arg angegriffenen - in den Fluren und Sälen.

Schließlich der große Saal, freischwebend, unabhängig von den Schwingungen der großen Kreuzfahrtgiganten, die im knapper Entfernung regelmäßig vorbei zum Kreuzfahrtkai fahren mit einer Akustik, die seinesgleichen auf der Welt sucht. Die Ohren werden von allen Plätzen  gleichermaßen verwöhnt, Blickfang ist neben den geschwungen gestalteten Sitzreihen insbesondere auch die Riesenorgel mit ihren 4765 Pfeifen.

Der japanische Klangkünstler Yasuhisa Toyota hat den großen Saal im Maßstab 1:10 nachbauen und mit kleinen Figuren bestücken lassen. Diesen setzte er jeweils noch einen Filzhut auf den Kopf, um so die Haare der Menschen nachzubilden, weil auch diese Einfluss auf die Akustik haben. Die Wellenplatten der Innenwände sind hinter der Orchesterbühne durchlöchert, damit der Schnall nicht postwendend wieder die Musiker erreicht, ihre Ohren würden leiden, an musizieren wäre gar nicht mehr zu denken.

Der Japaner hat einfach an alles gedacht und am Ende eine Akustik geschaffen, die nicht nur beeindruckend ist, nein, sie fasziniert. Als die in England lebende japanische Klavierspielerin und Dirigentin Mitsuki Uchida nach ihrem Konzert mit dem Mahler Chambler Orchestra frenetisch um eine Zugabe gebeten wurde, spielte sie einfach nur die Tonleiter herunter.  Nein, sie spielte nicht, es war nur ein Hauch, der die Klaviertasten streifte, doch selbst der leiseste Ton war überall zu hören. Momente mit Atempausen...


Annäherung an die Elphi von den Landungsbrücken



Annäherung an die Elphi über den Elbtunnel


Ja, es ist in Hamburg immer noch etwas ganz Besonderes,  viele Touristen gehen diesen Weg jedoch nicht, weil er ihnen nicht bekannt oder aber zu lang erscheint. Dabei gehört der alte Elbtunnel in Hamburg zur Hansestadt wie St. Pauli und der HSV. Schließlich hätte der Hafen ohne diesen Tunnel nicht diesen Aufschwung genossen, der ihn heute zu einem der größten Containerumschlagshafen der Welt macht. Über 800.000 Menschen durchquer(t)en die Elbe pro Jahr lang auf diesem Weg, um zur anderen Elbseite zu gelangen. Denn dort stehen die Werften, die auch heute noch für Arbeit sorgen. Hamburger Arbeiter nutzen den Tunnel  entweder zu Fuß, mit dem Fahrrad oder auch mit dem Auto - was allerdings etwas kostet. Die bewachten Aufzüge haben jedenfalls Platz für alle Fortbewegungsmittel. Und auf der anderen Seite sorgen völlig neue Aussichten für einen ganz anderen Blick auf Hamburg und seine Elphi. Doch schaut selbst.


Einblicke in das Innenleben der Elbphilharmonie



Die ersten Konzerte begeistern die Zuschauer


Der Run auf die Tickets für Veranstaltungen ist nach wie vor unglaublich groß. Aktuell können für alle Veranstaltungen so gute wie keine Tickets mehr auf offiziellen Kanälen erworben werden. In verschiedenen Foren werden Karten für Topveranstaltungen (z.B. mit Lang Lang oder Dirigent Daniel Barenboim) zu Höchstpreisen angeboten. Traurig, aber wahr. Wer bei einem der ersten Konzerte dabei war oder im Rahmen seines Abos schon mehrere erleben durfte, ist (war) begeistert. Vom Ambiente, dem Gebäude und natürlich von den Künstlern. Hier bieten die Veranstalter alles auf, was Rang und Namen hat.

Das Fazit nach den ersten Wochen Elbphilharmonie kann schnell sowie kurz und knapp gezogen werden: Man muss sie unbedingt sehen und anschauen. Musikliebhaber werden zudem sicher versuchen, sie auch im Rahmen eines Konzertes zu erleben. Für sie wäre dies dann auch fast schon ein Muss!

Ein wunderbares Konzert erlebten rund 2.200 Besucher im großen Saal der Elbphilharmonie, als dort am 21. März das ,,Orchestra Sinfonie Simon Bolivar'' aus Kolumbien auftrat und die fünfte und sechste Sinfonie von Ludwig van Beethoven spielte. An anderen Tagen und im Rahmen anderer Abos präsentierte dieses großartige Ensemble die anderen Sinfonien Beethovens.